Doppelspitze
Doppelspitze

Heute ist wieder mal ein schöner Tag. Einer, an dem es einen guten Grund gibt, frühzeitig den Arbeitsplatz zu verlassen: das frühe Abendspiel, Frankreich gegen England, ein Klassiker. Und wer nicht bis zum Anpfiff um 18 Uhr warten will, kann die Arbeit schon früher Arbeit sein lassen und zum Beispiel in die Hinterhof Bar gehen, wo die Talkrunde mit Fans, selbst ernannten Experten und anderen originellen Erscheinungen bereits nach 17 Uhr beginnt.
Jetzt fragt sich nur noch, ob dieses Spiel halten wird, was die grossen Namen versprechen – im Gegensatz zu Deutschland-Portugal etwa.
Ganz klar nein, werden die Skeptiker sagen und darauf verweisen, dass die paar wenigen Engländer, die nicht nur chrampfen, sondern eigentlich auch wirklich gut Fussball spielen können, nun verletzt, gesperrt oder aus ominösen Gründen gar nicht erst für die Euro aufgeboten sind. Trainer Roy Hodgson hat sein Land darum schon mal darauf eingestellt, dass ihm während der Euro «fürchterliche Wochen» bevorstehen können.
Mit anderen Worten: Die Voraussetzungen sind katastrophal. Und gerade deshalb auch grossartig, werden die Optimisten sagen und darauf verweisen, dass die Engländer die letzten Turnier jeweils immer mit grossen Erwartungen und noch grösseren Sprüchen in Angriff genommen haben, dann aber bald einmal gescheitert sind, mal eher tragisch, mal eher kläglich. Bei dieser EM könnte es nun genau umgekehrt laufen – gerade auch im ersten Spiel gegen den Geheimfavoriten Frankreich unter «Le Président» Laurent Blanc.
Falls sich die Euro tatsächlich ganz anders als erwartet entwickeln sollte, müssen die Engländer aber zumindest mit einem sehr, sehr ernsthaften Widersacher rechnen: der Ukraine, die heute gegen Schweden ihre erste Partie austragen wird (20.45 Uhr). Denn das Heimteam hat keinen rechten Goalie und keine anständigen Spieler, dafür aber einen passenden Trainer. Einer, der noch nie ein Team coachte, das guten Fussball gespielt hätte. Das jedenfalls sagte der ukrainische Schriftsteller und Systemkritiker Serhij Zhadan in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Die Hoffnung würde er dennoch nie aufgeben: «Weil an einem Turnier immer auch irrationale Dinge geschehen.» Wenn das kein Versprechen ist für den heutigen Spieltag.
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