Lichtspiele
Lichtspiele

Die Diskussion, ob Gewalt im Film Gewalt in Jugendliche erzeugt, oder ob Gewalt von Jugendlichen Filmproduzenten zu Gewalt im Film legitimiert, beschäftigt die Gemüter, seit der erste Mord in einem Film gezeigt wurde, dem ein Mord in Wirklichkeit vorausging - oder folgte. Nachgewiesen ist ein kausaler Zusammenhang von Vorbild und Nachahmung nur insofern, als Jugendliche, die sich nicht adäquat bewegen, sozial verarmen, und selber Gewalt erfahren, verlernen, adäquat mit Gewalt umzugehen. Sprich: Vereinfacht möchte man Gewaltjunkies zurufen: Wer zu viel vor der Glotze sitzt, entwickelt keine sozialen Strategien, egal, ob Hansi Hintersser oder Vladimir Klitschko im Bild sind.
Trotzdem darf man mehr vermuten: Gewalt wurde auch in alten Kulturen schon in symbolischen Ritualen zur Götterbeschwörung genutzt. Der Heiland wird ja auch nicht gerade gewaltfrei Jahr um Jahr symbolisch zur Auferstehung gezwungen. Es dürfte also ein doch ansehnlicher Teil der Menschheit symbolische Gewalt als Teil ihrer Kultur verinnerlicht haben.
Die christlich-amerikanische Kultur hat sogar den Waffenbesitz verallgemeinert: Das verblüffendste Rezept zum Aurora-Massker stammt von einem besonnenen amerikanischen Vater: «Wenn ein anderer Kinobesucher eine Waffe dabeigehabt hätte, hätte er Schlimmeres verhindern können. Es hätten nicht so viele sterben müssen.»
Denkt man diese Logik weiter, so hätte ein dritter Waffenbesitzer, ohne zu wissen, wer zuerst geschossen hat, sich möglicherweise in der Lage gesehen, beide erschiessen zu müssen, ganz zu schweigen, was eingetreten wäre, wenn der amerikanische Idealfall vorgelegen hätte, also jeder Anwesende im Besitze einer Waffe gewesen wäre: möglicherweise hätten dann aber doch nicht „weniger sterben müssen“, wenn jeder auf jeden geschossen hätte um zu verhindern dass jeder auf jeden schiesst.
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