Lichtspiele
Lichtspiele

Sieben Kinder spielen Kids. Sie lümmeln in einer einseitig verspiegelten Box: Wir sehen sie. Sie wissen, dass wir da sind. Aber sie sind von Spiegeln eingeschlossen. Nur eine Stimme, erreicht sie, stellvertretend für unsere Neugier, und gibt Anweisungen. Zu wachsen. Durchs Leben zu laufen. Zu sterben. Kinderleicht, nachdenklich und spielerisch grausam.
Die britisch-deutsche Gob Squad gehört zu den Pionieren des performativen Theaters und ist eigentlich fast schon ein Auslaufmodell. Doch mit der Erfindung der Kinder-Perfomance (Performance ist das, wo man sich alles erlauben muss und nichts können darf) haben Sie sich wieder ganz vorne an die Front der Performanzen-Schelmen gestellt.
Schon die Grund-Einrichtung ist genial. Die Kinder erhalten in ihrem rundum geschlossenen Spiegelraum Anweisungen einer Frauenstimme und – befolgen Sie. Nur einmal kommt etwas Widerwille auf. Ansonsten durchwandern die Kids keck die Stationen von sieben Leben. Ihre einzige Aufgabe: Zu wachsen, bis sie erwachsen sind. In drei Etappen. Mit 19, mit 40 und schliesslich beim Sterben – dürfen wir teilnehmen an einer kleinen Lebens-Welt.
Das haben wir uns schon immer mal gewünscht: Mit uns selbst in drei Altern an einem Tisch sitzen zu dürfen und uns Fragen zu stellen, als wären wir nicht ein und dieselbe Person. Die Kids dürfen das.
Am dichtesten ist die Geschichte auch genau da: Wo das Kind sich Fragen beantwortet, die es sich zwei Jahre früher gestellt hatte, vor einer Kamera. Das bringt die Jugendlichen auf eine zeitlose Zeitreisen. Macht sie zu Lebensläufern. Setzt sie auf die rasierklingendünne Welt zwischen kindlicher Fantasie und eiskalter Abrichtung.
Gob Squad ist mit dieser Kinder-Truman-Show schon weit in Europa herumgekommen. Fast hätte man sich wünschen wollen «Before Your Very Eyes» wäre von der Truppe mit dem selben abgründigen Setting mit Kleinbasler Kindern noch einmal neu entwickelt worden. Aber dazu fehlt uns ein Theaterhaus wie das Campo, das in Belgien Theaterarbeiten mit Kindern für ein erwachsenes Publikum entwickelt. So behalten wir Maurice, Zoë, Ramses, Fons, Tasja, Robbe und Aiko aus Belgien in Erinnerung. Sie haben das getan, was gute Festivalteilnehmer sollen. Uns aus fernen Ländern nahe zu gehen.
Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.
« Für Schmuckdiebe gibt es an der Elsässerstrasse in Zukunft nicht mehr viel zu holen: Es war [...] » Lesen | zum Blog
« Als Fussballfan ist man heutzutage viel gewohnt. Kommentare auf SRF, Raubtier-Behandlung in [...] » Lesen | zum Blog
« Wem im letzten Sommer Winterthur zu weit weg war: Olten ists nicht. Die Schoggiseite der [...] » Lesen | zum Blog
« eine gedachte Karte wird materialisiert » Lesen | zum Blog
« Mischa Christen zeigt in seiner Reportage die düsteren Seiten von Paris. Mitten im [...] » Lesen | zum Blog
« Als Redaktor ist man froh, wenn man schnell den Überblick über den Inhalt einer [...] » Lesen | zum Blog
Print Mail