Mittendrin
Mittendrin

Mit 31 lebt David Mc Nally immer noch bei seiner Mutter. Einen Job hat er seit 11 Jahren nicht. (Bild: Michael Würtenberg)
Tis the song, the sigh of the weary,
Hard Times, hard times, come again no more
Many days you have lingered around my cabin door
Oh hard times come again no more.
Mit diesen vier Zeilen weiss die ältere, rundliche Dame im Pub alle Blicke auf sich zu ziehen. Sie gibt das Stück des amerikanischen Komponisten Stephen Foster mit einer derart kraftvollen, grossartigen Stimme wieder, dass alle mitsingen müssen.
Das Lied «Hard Times come again no more» hat die Iren schon durch viele Krisen begleitet. Sie haben es schon etliche Male gesungen – wohl immer im Glauben daran, dass die harten Zeiten endgültig vorbei sind. Und immer wieder hat sich das Gegenteil herausgestellt. So auch jetzt. Die Arbeitslosigkeit in Irland beträgt heute 14,9 Prozent. Am schlimmsten von der Krise betroffen ist die Stadt Limerick im Südwesten des Landes mit einer Arbeitslosenquote von 28,6 Prozent.
Im heruntergekommenen Stadtteil St. Mary's lernen wir David Mc Nally kennen. Etwas gefährlich wirkt er mit seinem Tattoo am Hals und seinem finsteren Blick. Im Trainer und in den Finken steht er vor dem Hauseingang und scheint sich darüber zu freuen, mal mit Fremden reden zu können. Mit 31 lebt er immer noch bei seiner Mutter. Einen richtigen Job hatte der Vater eines kleinen Jungen noch nie. Und die Chancen für ihn, in der Krise eine Stelle zu finden, sind sehr, sehr, sehr gering.
«Ich bin im Strafregister, weil ich meine Autoversicherung nicht zahlen konnte. Es ist also unmöglich für mich, einen Job zu bekommen. Ich habe keine Perspektiven.» Mit seiner Situation hat er sich abgefunden. Aber: «Ich mache mir wegen der Lage in Irland Sorgen um die Zukunft meines Sohnes.»
Wir gehen ein paar Häuser weiter. Es dauert keine Minute, bis wir wieder auf Arbeitslose im jungen Alter treffen. Sie stehen alle wie David Mc Nally vor den Hauseingängen – im Trainer selbstverständlich.
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