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TagesWoche

Tages Woche

So, 19.05.2013

Elia und das Roma-Ghetto von Varna

7.07.2012, 23:40Uhr
Fotograf Elia unterwegs im Roma-Ghetto Vladislavovo im bulgarischen Ferienort Varna. Rund 3000 Roma leben hier, in der ganzen Stadt sind es gegen 70'000. Im Viertel sind 90 Prozent der Bewohner arbeitslos.

Fotograf Elia unterwegs im Roma-Ghetto Vladislavovo im bulgarischen Ferienort Varna. Rund 3000 Roma leben hier, in der ganzen Stadt sind es gegen 70'000. Im Viertel sind 90 Prozent der Bewohner arbeitslos. (Bild: Elia)

Elia (rechts) in der Nachmittagsschule in Varna. Ein von der EU finanziertes Programm soll den bulgarischen Roma einen Schulabschluss ermöglichen. Der bringt zwar keine Vorteile auf dem Arbeitsmarkt, aber die Möglichkeit einen Führerschein zu erwerben.

Elia (rechts) in der Nachmittagsschule in Varna. Ein von der EU finanziertes Programm soll den bulgarischen Roma einen Schulabschluss ermöglichen. Der bringt zwar keine Vorteile auf dem Arbeitsmarkt, aber die Möglichkeit einen Führerschein zu erwerben. (Bild: Stefan Bohrer)

Ruhepause in einer Wohnung im Viertel.

Ruhepause in einer Wohnung im Viertel. (Bild: Elia)

Einblick ins Roma-Ghetto von Vladislavovo.

Einblick ins Roma-Ghetto von Vladislavovo. (Bild: Elia)

Weil der Platz im unteren Teil des Viertels eng ist, werden auf den Dächern der Häuser immer neue Zimmer angebaut, die dann über Leitern erreicht werden können.

Weil der Platz im unteren Teil des Viertels eng ist, werden auf den Dächern der Häuser immer neue Zimmer angebaut, die dann über Leitern erreicht werden können. (Bild: Elia)

Beton und Backsteine. Wohntristesse im Viertel.

Beton und Backsteine. Wohntristesse im Viertel. (Bild: Elia)

Ein Gemüseladen versorgt die Bewohner, mit Lebensmittel - so sie denn Geld haben für den Einkauf.

Ein Gemüseladen versorgt die Bewohner, mit Lebensmittel - so sie denn Geld haben für den Einkauf. (Bild: Elia)

Fotograf Elia unterwegs im Roma-Ghetto Vladislavovo im bulgarischen Varna.

Fotograf Elia unterwegs im Roma-Ghetto Vladislavovo im bulgarischen Varna. (Bild: Elia)

Blick auf die verstauten Utensilien einer Musikergruppe.

Blick auf die verstauten Utensilien einer Musikergruppe. (Bild: Elia)

Hinter dem Zaun befindet sich eine Taubenzucht. Die Vögel dienen dem Sport: Bei Wettkämpfen müssen sie grosse Distanzen zurücklegen und wieder nach Hause finden.

Hinter dem Zaun befindet sich eine Taubenzucht. Die Vögel dienen dem Sport: Bei Wettkämpfen müssen sie grosse Distanzen zurücklegen und wieder nach Hause finden. (Bild: Elia)

Fotograf Elia unterwegs im Roma-Ghetto Vladislavovo im bulgarischen Varna.

Fotograf Elia unterwegs im Roma-Ghetto Vladislavovo im bulgarischen Varna. (Bild: Elia)

Impressionen des Roma-Viertels Vladislalovo in Varna.

Impressionen des Roma-Viertels Vladislalovo in Varna. (Bild: Elia)

Bauschutt wird abtransportiert.

Bauschutt wird abtransportiert. (Bild: Elia)

Am Ende der Strasse hört das Ghetto auf. In den Wohnblocks wohnen die weissen Bulgaren.

Am Ende der Strasse hört das Ghetto auf. In den Wohnblocks wohnen die weissen Bulgaren. (Bild: Elia)

Neben Fussball ist Musik die grosse Leidenschaft der jungen Roma im Viertel.

Neben Fussball ist Musik die grosse Leidenschaft der jungen Roma im Viertel. (Bild: Elia)

Wer mit einer Kamera durchs Viertel läuft, hat sie bald nicht mehr. Auch Elia wird mit Skepsis begegnet.

Wer mit einer Kamera durchs Viertel läuft, hat sie bald nicht mehr. Auch Elia wird mit Skepsis begegnet. (Bild: Elia)

Das Ghetto wächst: Bauarbeiten gehören zum Bild in Vladislalovo.

Das Ghetto wächst: Bauarbeiten gehören zum Bild in Vladislalovo. (Bild: Elia)

Impressionen des Roma-Viertels Vladislalovo in Varna.

Impressionen des Roma-Viertels Vladislalovo in Varna. (Bild: Elia)

Begegnung am  Strassenzaun.

Begegnung am Strassenzaun. (Bild: Elia)

Nassgespritzt: Abkühlung im heissen bulgarischen Sommer.

Nassgespritzt: Abkühlung im heissen bulgarischen Sommer. (Bild: Elia)

Das Leben im Viertel spielt sich tagsübers vorwiegend auf der Strasse ab. In den engen Wohnungen wird nur gekocht und geschlafen.

Das Leben im Viertel spielt sich tagsübers vorwiegend auf der Strasse ab. In den engen Wohnungen wird nur gekocht und geschlafen. (Bild: Elia)

Strassenhunde teilen sich den Platz mit den Bewohnern.

Strassenhunde teilen sich den Platz mit den Bewohnern. (Bild: Elia)

Impressionen des Roma-Viertels Vladislalovo in Varna.

Impressionen des Roma-Viertels Vladislalovo in Varna. (Bild: Elia)

Hinter den Gittern liegt der Pausenhof eines Kindergartens. Das Tor ist stets geschlossen, der von EU-Mitteln finanzierte Kindergarten hat nie aufgemacht.

Hinter den Gittern liegt der Pausenhof eines Kindergartens. Das Tor ist stets geschlossen, der von EU-Mitteln finanzierte Kindergarten hat nie aufgemacht. (Bild: Elia)

Das Roma-Viertel Vladislavovo im bulgarischen Küstenort Varna sollte man besser nicht auf eigene Faust begehen. Selbst die Polizei fährt, wenn überhaupt, nur in Mannschaftsstärke hinein. Als der Deutsche Frank Abbas 2005 nach Vladislavovo kam, nahmen ihm die Roma erstmal Geld und Handy ab. Als er sagte, er komme, um zu helfen, gaben sie ihm ein paar Lewa für das Busbillet sowie die Simkarte zurück.

Heute lebt Abbas mitten im Viertel und betreibt ein kleines, mutiges Hilfswerk. Die TagesWoche-Reporter Renato Beck und Stefan Bohrer verbrachten mit ihm einen Tag im Ghetto. Am Abend stellte sich vor allem eine Frage: Wie kann es sein, dass die Europäische Union so etwas zulässt?

Es war eine aussergewöhnliche Recherche: Eine in sich geschlossene Gemeinschaft, die den meisten Fremden - und Journalisten im Besonderen - mit starkem Misstrauen begegnet, öffnete sich Stück für Stück. Zu hören waren Kindergeschichten vom Plastiksammeln und Jugendepisoden von Prostitution und Perspektivenlosigkeit, aber auch, dass wer doppelt so hart arbeitet wie gewöhnlich in Bulgarien, eine kleine Chance hat rauszukommen. 

Zu hören war auch die Geschichte von Elia. Der 20-Jährige arbeitet für Abbas im Hilfswerk. Er trägt ein Fussballshirt mit dem Namen Cristiano Ronaldo drauf. C. Ronaldo hat er sich auch auf den Arm tätowieren lassen. Elia ist ein guter Fussballer, aber die bulgarischen Clubs nehmen keine Roma auf.

Elia ist auch ein begeisterter Fotograf, ein Dokumentarist des Lebens im Viertel. TagesWoche-Fotograf Stefan Bohrer hat ihm seine Kamera in die Hand gedrückt. Zurückgebracht hat er eine Bildserie mit seiner Sicht des Ghettos.

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