(Bild: Screenshot)
Es braucht eine ordentliche Portion Galgenhumor, einen neuen Blog über die allgegenwärtige Zukunft des Journalismus «Page Impression» zu nennen. Ist doch gerade die Fixierung auf die alleinseligmachenden Page Impressions mit ein Grund dafür, warum Journalismus im Netz heute weniger gut ist, als er sein könnte.
Journalismus sollte nicht um Page Impressions besorgt sein, sondern um Seiten, die Eindruck machen. Dieser Blog wird sein Augenmerk auf jene Entwicklungen richten, die den Journalismus und die Medienlandschaft in Zukunft prägen werden. Mit einer gesunden Portion Galgenhumor, vor allem mit viel ehrlich empfundenem Optimismus. Wir glauben an eine glänzende Zukunft des Journalismus.
Wer den Erfolg einzelner Artikel an der Anzahl Page Impressions misst – also wie oft sie aufgerufen wurden – erweist dem Journalismus und damit seiner Leserschaft einen Bärendienst.
Sogenannte Klickmonitoren haben in den meisten Onlineredaktionen Einzug gehalten und zeigen den Journalisten in Echtzeit an, welche Geschichten gut «performen» und welche nicht: Sie zeichnen ein Zerrbild dessen, was die Leute interessiert, und liefern den Medienmachern falsche Anreize.
Wer es auf Page Impressions anlegt, muss nur erreichen, dass seine Leser auf die Anrisse klicken. Leser klickt, Werbung lädt, Kasse klingelt.
Das hat zur Folge, dass boulevardeske Themen stärker gewichtet werden; dass Artikel in Anrissen und Titeln massiv zugespitzt und «überverkauft» werden. Was der Leser geliefert bekommt, nachdem er geklickt hat, wird nachrangig. Denn wenn die Page Impression der Massstab ist, dann ist der Dienst am Leser in dem Moment erbracht, da man ihn verführt hat.
Natürlich ist es legitim und sinnvoll, dass Medien ihre Artikel und Themen auch danach ausrichten, was das Publikum interessiert. Bloss muss man die richtigen Indikatoren verwenden, um dieses Interesse zu messen. Das Schöne am Journalismus im Netz ist ja gerade, dass zig Parameter mess- und auswertbar sind.
Wie lange verweilt der Durchschnittsnutzer auf einer Geschichte? Wie viele Leser haben eine Geschichte via Facebook empfohlen, via Twitter verbreitet, per E-Mail versandt, ausgedruckt, gebookmarked? Wie viele Leser haben von einer Artikelseite aus auf «Abos» geklickt oder den RSS-Feed abonniert? Welche Qualität hat die Diskussion, die durch die Geschichte angestossen wird?
Dies sind Indikatoren dafür, dass ein Inhalt tatsächlich geschätzt und für relevant befunden wird, wogegen Page Impressions nicht viel mehr als spontanes Interesse und Neugier ausdrücken. Die TagesWoche versucht genau dies umzusetzen, sowohl intern wie gegen aussen. Unsere «beliebtesten Artikel» werden nach einem Algorithmus errechnet, bei dem Page Impressions nur ein Faktor von vielen sind.
Es wird Zeit, dass die Page Impression die Beachtung bekommt, die sie verdient: eine geringere.
Mir scheint eine weitere Dimension des Problems zu sein, dass sich Pageimpressions finanziell auszahlen, weil Werbung entsprechend verkauft wird. Facebook-Empfehlungen sind nur dann für Werbekunden interessant, wenn sie zu Pageimpressions führen, weil die Werbung ansonsten nicht gesehen wird.
Somit scheint mir das ein altes Phänomen zu sein: Guter Journalismus ist nicht immer lukrativer Journalismus.
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...für diese guten Aussichten!
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Mir scheint eine weitere Dimension des Problems zu sein, dass sich Pageimpressions finanziell auszahlen, weil Werbung entsprechend verkauft wird. Facebook-Empfehlungen sind nur dann für Werbekunden interessant, wenn sie zu Pageimpressions führen, weil die Werbung ansonsten nicht gesehen wird.
Somit scheint mir das ein altes Phänomen zu sein: Guter Journalismus ist nicht immer lukrativer Journalismus.
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Vollkommen richtig, die beiden Dinge hängen direkt zusammen. Dem lässt sich auf zwei Arten begegnen. Einerseits müssen sich die journalistischen Massstäbe für Erfolg von jenen des Werbemarktes emanzipieren. Andererseits wäre aber auch zu fragen, ob denn Page Impressions für die Werbekunden überhaupt eine sinnvolle Kennziffer sind. Ist eine Werbung, die mir in dem Moment angezeigt wird, da ich mich nerve, dass ich wieder auf einen zugespitzten Titel reingefallen bin, eine gute Werbung für jenen, der sie bezahlt?
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Völlig einverstanden mit den beiden Konsequenzen. Als Werbekunde wären mir andere Dinge viel wichtiger, z.B. wäre es durchaus interessant, wie viele Leute aufgrund einer persönlichen Empfehlung auf einen Beitrag klicken und dann dort eine - evtl. eben positiv verstärkte - Werbebotschaft wahrnehmen.
[kann man irgendwie antworten auf Kommentare hier - falls ja, hab ich das nicht gefunden…]
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Sie haben recht, PIs sind alles andere als allseligmachende Indikatoren für Erfolg bzw. Misserfolg. Dennoch sind sie wichtig. Ich arbeite selbst in dem Metier und finde: PIs geben ein Grundinteresse an einem Thema wieder und zeigen gleichzeitig, ob man eine gute Arbeit gemacht hat. Für mich sind Teaser nichts anderes als gute Einstiege in einen Text. Nur müssen diese Eingangstore anders gestrickt sein als im Print.
Das bedeutet also: Wenn die Klickzahlen für einen Artikel gut sind, heißt das erst einmal, dass man jemanden für das Thema, das man online verbreitet, interessiert hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Insofern kann ich Ihre Reduktion der PI auf ihre Werberelevanz nicht teilen. Es bleibt ein erster wichtiger Indikator dafür, ob Artikel überhaupt gelesen werden. Keine Klicks = keine Leser, da kann der Inhalt nach dem Teaser noch so gut sein.
Trotzdem muss man Artikeleinstiege genausowenig überspitzen wie man nur Boulevard machen sollte. Die Inhalte müssen stimmen, inhaltlich genauso wie von der stilistischen Aufbereitung.
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Mit Verlaub, Herr Thiel: Gute Klickzahlen bedeuten, dass man gute Suchmaschinenoptimierung betrieben hat und absolut nichts mehr. Bei den meisten Onlineangeboten jenseits der ganz grossen Newsportale werden 70-90 Prozent der Pageimpressions im Longtail generiert - das heisst über Suchmaschinentreffer und nicht auf der Portalseite. Gut platzierte Schlagworte sorgen dafür, dass unkundige Google-Nutzer tausendfach Texte anklicken, die sie keineswegs interessieren, und Huntertausende parkierte Domainseiten voller Werbelinks zeugen davon, dass das ein gutes geschäft für technisch versierte Schlagwortoptimierer ist, die absolut keinen Mehr- oder auch Nutzwert bieten.
Die Pageimpression ist das wohlfeile Argument der Werbewirtschaft, an TKP (Tausenderkontaktpreis) festzuhalten und statt auf Qualität auf Quantität zu setzen, weil es für sie einfacher ist, Kampagnen einigen wenigen grossen Klickgeneratoren zuzuhalten als vielen erstklassigen Nischenanbietern im Longtail, welche eine verhltnismässig kleine, aber zahlungskräftige und interessierte Leser- und damit Kundschaft haben.
Einem Werbekunden nützen 1000 Klicks von verirrten Suchmaschinennutzern ohne Kaufinteresse deutlich weniger als die fünf Klicks von zahlungskräftigen, am Thema interessierten Internetnutzern. Trotzdem fristen erstklassige Fachblogs mit einem treuen, spezialisierten, gebildeten und kaufkräftigen Publikum ein tristes Dasein im Werbemarkt - und die Klickgeneratoren verpuffen die Mittel der Werbekundschaft. Das Festhalten an PI als Masseinheit hat wohl mit Interesse zu tun - aber nicht mit dem der Leserschaft, sondern den Interessen der Mediaagenturen.
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