Artikel einbetten? Man könnte einfach bei YouTube abschauen. (Bild: Screenshot YouTube, Montage: David Bauer)
Als Quelle von Videos zu arabischen Revolutionen bis zu Musikclips ist YouTube bei den meisten Medien bekannt. Dass man von YouTube etwas ganz Wesentliches lernen könnte, ist bisher den wenigsten Medienmachern aufgegangen.
YouTube ist omnipräsent. Es ist das, weil seine Inhalte nicht nur auf youtube.com verfügbar sind, sondern auf jeder anderen Website eingebunden werden können. Konkrete Zahlen liefert YouTube zwar keine, das etwas kryptische "Der YouTube-Player ist in Zigmillionen Websites eingebettet" spricht aber eine klare Sprache. Ein wachsender Anteil des Konsums von YouTube-Videos findet nicht auf YouTube selber, sondern anderswo im Netz statt.
YouTube-Videos gehören damit zu der gar nicht mehr so neuen Generation von Inhalten, die an einem Ort gelagert sind, aber überall eingebunden werden können. Für Video und Audio ist es geradezu selbstverständlich geworden, aber auch für Präsentationen, Dokumente oder kuratierte Inhalte ist diese Verbreitungsweise inzwischen gängig. Nur nicht für journalistische Inhalte.
Das hat zur Folge, dass sich diese Inhalte weniger stark verbreiten im Netz. Oder aber sie verbreiten sich in Formen, die für den Urheber nicht von Interesse sein können: Als Paraphrase bei der Konkurrenz (manchmal mit Link, häufiger ohne), als PDF, als eingescannte Zeitungsseite oder schlicht als kopierter Text, vielleicht innerhalb der Grenzen des Zitatrechts, oft aber auch nicht.
Dies alles liesse sich zum Nutzen des Anbieters der Inhalte vermeiden, wenn journalistische Erzeugnisse auf Drittseiten eingebettet werden könnten; wenn unter jedem Artikel auf der Ursprungsseite ein Embed-Code stünde, wie das bei YouTube der Fall ist.
Es würde andere Medien, die auf die Geschichte bezug nehmen, in die Pflicht nehmen, die Geschichte einzubetten anstatt einfach zu paraphrasieren. Viel mehr noch würde es all jenen die Gelegenheit geben, den Artikel zu verwenden, die es bisher gerne wollten, aber nicht konnten. Viele Akteure, die in einem Medium vorkommen, verfügen heute über eine eigene Webpräsenz, wo sie gerne Artikel über sich veröffentlichen werden.
Das Theater, dessen Premiere gelobt wird. Der Quartierverein, über dessen Versammlung berichtet wird. Die Band, deren aktuelles Album besprochen wird. Die Firma, über deren Expansion geschrieben wird. Die Politikerin, die portätiert wird. Der Wissenschaftler, der im grossen Interview Auskunft gibt. Die NGO, die in einer investigativen Geschichte zitiert wird. Die Liste könnte noch lange weiter gehen.
«Aber dann kommen weniger Leser auf unsere Website!», höre ich besorgte Medienmanager entgegnen. Nun, das ist 1. falsch und 2. egal.
Der Anbieter der Inhalte kontrolliert natürlich, wie die Embeds aussehen und was sie beinhalten. Er gestaltet sie seiner Marke entsprechend. Er kann Werbung mitliefern. Er kann im Embed weitere Artikel schmackhaft machen, die den Leser dann auf die eigene Website führen. Und das sind nur die Elemente, die man sich ohne gross Nachzudenken beim YouTube-Player abschauen kann.
Embeds generieren zusätzliche Reichweite, dadurch können zusätzliche Werbeeinnahmen erzielt und neue Leserinnen und Leser erreicht werden. Die Frequentierung von YouTube.com sinkt nicht mit der Anzahl Embeds, sie steigt mit ihr. Und da auch die Player auf Drittseiten Werbeeinnahmen generieren, ist YouTube nicht darauf angewiesen, dass jeder Konsument tatsächlich zu YouTube.com kommt.
Mir ist bisher kein Medium bekannt, das diesen Schritt gemacht hat. Ich meine mich zu erinnern, dass der Guardian zumindest damit experimentiert hat, Artikel als Embeds verfügbar zu machen, kann aber nichts mehr dazu finden.*
Es führt kein Weg daran vorbei: Medien müssen viel stärker Teil des Inhalte-Ökosystems im Netz werden, das heisst: Inhalte Dritter einbinden, wo immer es sinnvoll ist und die eigenen Inhalte so freigeben, dass sie eingebunden werden können, wo immer es sinnvoll ist. Sie werden selber am allermeisten davon profitieren.
*In einen verwandten Bereich sind der Guardian und die New York Times dagegen schon vorgedrungen: Sowohl die New York Times mit ihrem Developer Network wie auch der Guardian mit seiner Open Platform bieten relativ weitreichende Möglichkeiten, ihre Inhalte maschinell weiterzuverwerten. Die Schnittstellen (API, Application Programming Interfaces, im Fachjargon) richten sich aber nicht an Endnutzer, sondern an Programmierer und verfolgen eher das Ziel, Innovation durch Dritte anzuregen, denn die Reichweite zu steigern. Auf dieses Thema werde ich in einem späteren Artikel näher eingehen.
...warum bietet ihr das nicht an? Als Ausschnitt den Header/Teaser liesse sich doch machen, oder? Sogar Tweets lassen sich mittlerweile embedden... dev.twitter.com/docs/embedded-tweets
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@Clemens
"Sogar Tweets kann man inzwischen einbetten" - ja, das stimmt. Und das von einer Firma, die viel kleiner und technologisch viel weniger bewandert ist als die TagesWoche...Wir bleiben auf jeden Fall dran.
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Es ist schon komisch, dass man Multimediadateien, Videos, Podcasts zum Vorteil aller einbinden kann und es bei Texten und Bildern noch keine solche "Fenster" zum Original gibt. Frames gab es frueher mal. Man braeuchte eine generelle Einbettungsfunktion von Inhalten. Wird auch kommen, allerdings werden sich die komerziellen Inhalte-Anbieter mit Haenden und Fuessen wehren, weil sie dann noch mehr ihre Gatekeeper-Rolle verlieren und die "Kuratoren" wichtiger werden, als die medialen Stichwortgeber.
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Ich finde es schon richtig und wichtig, dass der Inhalte anbieter entscheidet, ob und unter welchen Bedingungen seine Inhalte weiterverbreitet werden können. Wenn jemand das nicht will, fair enough. Meine Argumentation zielt darauf ab, dass Medien profitieren würden und deshalb diesen Schritt selber machen sollten.
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Hallo David,
Guter Beitrag. Viel zu wenig Medien experimentieren damit, wie sie Leistungen außerhalb der eigenen Webseite monetarisieren könnten. Und das Pendel schlägt mit den geschlossenen Anwendungen für Tablets sogar in die gegenteilige Richtung.
Beim Guardian allerdings ist die Experimentierphase schon vor über einem Jahr in den Regelbetrieb übergegangen. Alle Inhalte zum Einbetten gibt es hier: www.guardian.co.uk/open-platform Das Modell lässt abgestufte Nutzungen mit verschiedenen Preismodellen zu. Vieles ist gratis nutzbar.
Auch der Business Insider erlaubt Einbetten, allerdings in viel geringerem Umfang. Der Code dafür versteckt sich im "Share" Kasten unter den Artikeln.
Ein deutschsprachiges Medium, das Einbetten erlaubt, ist mir allerdings auch nicht bekannt.
Viele Grüße, Ulrike
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Wie kann ich denn beim Guardian einzelne Artikel embedden? Das Anzapfen einer API ist ja, wie ich am Ende meines Artikels erwähne, nochmals etwas anderes, weil es eher Profis anspricht.
Danke für den Hinweis bez. Business Insider.
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...scheint es Bestrebungen zu geben, genau in die andere Richtung zu gehen.
Stichwort: Leistungsschutzrecht.
Hier ein Artikel im Spiegel online dazu: www.zeit.de/digital/internet/2012-03/leistungsschutzrecht-koalition
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Der Link stammt aus Zeit online, nicht Spiegel online! Sorry!
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Das tönt ja gut, aber hier kann man als Leser ja nicht mal einen Link einbauen...
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...warum bietet ihr das nicht an? Als Ausschnitt den Header/Teaser liesse sich doch machen, oder? Sogar Tweets lassen sich mittlerweile embedden... dev.twitter.com/docs/embedded-tweets
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@Clemens
"Sogar Tweets kann man inzwischen einbetten" - ja, das stimmt. Und das von einer Firma, die viel kleiner und technologisch viel weniger bewandert ist als die TagesWoche...Wir bleiben auf jeden Fall dran.
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Es ist schon komisch, dass man Multimediadateien, Videos, Podcasts zum Vorteil aller einbinden kann und es bei Texten und Bildern noch keine solche "Fenster" zum Original gibt. Frames gab es frueher mal. Man braeuchte eine generelle Einbettungsfunktion von Inhalten. Wird auch kommen, allerdings werden sich die komerziellen Inhalte-Anbieter mit Haenden und Fuessen wehren, weil sie dann noch mehr ihre Gatekeeper-Rolle verlieren und die "Kuratoren" wichtiger werden, als die medialen Stichwortgeber.
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Ich finde es schon richtig und wichtig, dass der Inhalte anbieter entscheidet, ob und unter welchen Bedingungen seine Inhalte weiterverbreitet werden können. Wenn jemand das nicht will, fair enough. Meine Argumentation zielt darauf ab, dass Medien profitieren würden und deshalb diesen Schritt selber machen sollten.
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Hallo David,
Guter Beitrag. Viel zu wenig Medien experimentieren damit, wie sie Leistungen außerhalb der eigenen Webseite monetarisieren könnten. Und das Pendel schlägt mit den geschlossenen Anwendungen für Tablets sogar in die gegenteilige Richtung.
Beim Guardian allerdings ist die Experimentierphase schon vor über einem Jahr in den Regelbetrieb übergegangen. Alle Inhalte zum Einbetten gibt es hier: www.guardian.co.uk/open-platform Das Modell lässt abgestufte Nutzungen mit verschiedenen Preismodellen zu. Vieles ist gratis nutzbar.
Auch der Business Insider erlaubt Einbetten, allerdings in viel geringerem Umfang. Der Code dafür versteckt sich im "Share" Kasten unter den Artikeln.
Ein deutschsprachiges Medium, das Einbetten erlaubt, ist mir allerdings auch nicht bekannt.
Viele Grüße, Ulrike
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Wie kann ich denn beim Guardian einzelne Artikel embedden? Das Anzapfen einer API ist ja, wie ich am Ende meines Artikels erwähne, nochmals etwas anderes, weil es eher Profis anspricht.
Danke für den Hinweis bez. Business Insider.
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Man braucht dazu zunächst ein Wordpress-Plugin , kann dann aber auch einzelne Beiträge einbetten:
www.guardian.co.uk/open-platform/news-feed-wordpress-plugin
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Etwas umständlich, aber immerhin. Wirklich spannend wird es, wenn das Einbetten so einfach wie bei YouTube ist.
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...scheint es Bestrebungen zu geben, genau in die andere Richtung zu gehen.
Stichwort: Leistungsschutzrecht.
Hier ein Artikel im Spiegel online dazu: www.zeit.de/digital/internet/2012-03/leistungsschutzrecht-koalition
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