YG
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Ich werte den Ausgang der heutigen Bundesratswahlen, entgegen den meisten Politikkennern, als Sieg der SVP-Strategie. Die arithmetische Untervertretung im Bundesrat dient nun (weiterhin) als Rechtfertigung für jegliche Konkordanz-/ Kompromiss-/ Konsens-Verweigerung. Die SVP festigt ihre einzigartige Stellung als Oppositionspartei mit Regierungsbeteiligung. Diese opportunistische Doppelfunktion wird dann auch noch als „von den Gegnern auferlegt“ dargestellt. Die SVP hat einmal mehr erreicht, was sie will und kann sich dabei als „Opfer“ darstellen. Wie erfolgreich diese „Opfer“-Strategie ist, zeigt sich daran, dass die Presse – wie in obigem Artikel – den Ausgang dieser Bundesratswahlen als Scheitern der SVP wahrnimmt. Gescheitert wäre die SVP eigentlich nur, wenn sie formal erfolgreich gewesen wäre. Mit der Wahl von Herrn Hansjörg Walter anstelle von Herrn Schneider-Ammann hätte die SVP ihren Nationalratspräsidenten verloren, den Bündnispartner FDP mehr als brüskiert und die so wichtige „Legitimation“ für ihren Oppositionskurs arg geschwächt. Ein Erfolg für das politische System der Schweiz wäre es aber gewesen, wenn das Parlament der SVP ein klares Bekenntnis abgerungen hätte; sei es zur Konkordanz, oder sei es zur eindeutigen Opposition.
2011-11-16 08:24:32Ich verwehre mich gegen die im Artikel betriebene Verantwortungs-Umkehr: die primäre Verantwortung für unsere Gesellschaft (wirtschaftlich, sozial und kulturell) trägt nicht die breite Masse, sonder sie obliegt der Elite. Meine Aussage mag polarisieren, doch die Geschichte zeigt, dass Initiativen zu Strukturwandel immer einer Elite entstammen, und die breite Masse zur Zielerreichung lediglich instrumentalisiert wird. Das war bei der Französischen und Russischen Revolution genauso der Fall, wie bei der Unabhängigkeitserklärung der USA und dem Untergang der Weimarer Republik. Wer also den wirtschaftlichen Wandel als Aufgabe einer verantwortungsbewussten Konsumenten-Masse darstellt, betreibt Ablasshandel für die bestehenden Macht- und Vermögenseliten. Sonderbar, gerade die TaWo ist ja Beleg dafür, dass Elite-Engagement mehr bewirkt, als der gute Wille von Tausenden...
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2011-11-01 09:59:06Panta rhei(n) - alles fliesst - alles strömt - alles strömt zum Rhein... ...wohin denn sonst? In der hektischen Basler Innenstadt sind Verweil-Oasen eine Seltenheit. Von der Steinenvorstadt, über den Barfüsserplatz, durch die Freie Strasse bis hin zum Claraplatz und weiter zum Messeplatz herrscht die pure (Konsum-)Hektik. Zum Flanieren und Verweilen bietet sich derweil nur das Kleinbasler Rheinufer an, und das führt zwangsläufig zu einer Besucher-Konzentration. Diese Verdichtung verschärft zunehmend die Konflikte: Lärm und Littering vs. Ruhe und Sauberkeit; Fussgänger vs. Skater, Inliner, Kickboarder; Familien mit Kleinkindern vs. HundehalterInnen; Freiverpflegende vs. Buvettekunden; Halbnackte vs. Vollbekleidete; etc., etc. Die Belebung der Rheinpromenade und die Vergabe zweier neuer Buvette-Bewilligungen begrüsse ich, auch wenn das von allen Beteiligten Konsensbereitschaft abverlangt. Ein möglicher Ausbau von Stressless-Orten am Claraplatz, am Fischmarkt, am Marktplatz, in der Gerbergasse - oder gar eine durchgehende Rheinpromenade auf Grossbasler-Seite werden wohl immer Utopien bleiben.
2011-10-28 19:09:20Warum poste ich meinen ersten Tageswoche-Kommentar gerade im Games-Blog? Weil ich hier folgende These in den Raum stellen kann: Der "Homo ludens" ist die höchst-entwickelte Form des modernen Menschen und steht über dem "Homo politicus" und über dem "Homo economicus". Der "Homo ludens" ergänzt sein Modell der Ratio nicht einfach durch ein zweites vernunftnahes Modell wie die Politik im Falle des "Homo politicus", oder die Wirtschaft im Falle des "Homo economicus". Nein, seine Überlegenheit beruht auf der Fähigkeit, seine Ratio mit einem gänzlich vernunft-unabhängigem Modell, dem Spiel zu erweitern. Der "Homo ludens" kommt somit dem Evolutionsideal, dem "Homo nonsense" am nächsten. Im real-praktizierten Polit- und Wirtschafts-Dadaismus unserer Zeit führt der Weg zum Sinn nur über die Unvernunft (?).
